1.08.11

Debüt-Album

 

„Bring it on“ – Das Debütalbum einer großartigen Sängerin


"Wir sind eine Generation, die sich traut zu zweifeln. Die neue Wege geht. Auch neue Wege auf Gott zu."
(Pamela Natterer)


Eine junge Frau geht ihren Weg in der Realität ihrer Alltagswelt: in Gedanken manchmal in Traumwelten unterwegs, und doch mit beiden Beinen auf dem Boden; fest verwurzelt im Glauben, doch immer wieder konfrontiert mit den vielfältigen Herausforderungen des Lebens.

Sie hat eine besondere Gabe: Sie schreibt Songs. Und sie singt – mit einer Stimme, die Seele hat und deren Klangfarben unterschiedlichste Gefühle zum Ausdruck bringen.

Irgendwann ist es soweit: Sie wagt sich mit ihren Songs an die Öffentlichkeit und tritt aus dem Schatten ihrer eigenen Zurückhaltung heraus. Das Ergebnis: Bring it on, ein Album, das Einblicke in ihr Leben gibt und dabei ihre facettenreiche Stimme perfekt zur Geltung bringt; in zwölf wunderschönen Liedern im Singer-Songwriter-Stil.

 

Wenn Pamela Natterer ihre eigenen Lieder singt, spürt man, dass sie in dieser Art von Musik einfach zuhause ist. Schon als Kind hat sie viel gesungen, Soul und Jazz gehört und mit der Familie musiziert. Für Pamela war Musik sehr früh eine wichtige Ausdrucksform, wichtiger noch als verbale Kommunikation. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Zu singen und Songs zu schreiben ist für Pamela nahezu existentiell:

„Wenn ich nicht singe und keine Lieder schreibe, habe ich das Gefühl zu platzen.“

 

Musikalisch entwickelte sich Pamela bisher vor allem innerhalb der deutschen christlichen Musikszene und sammelte hier wichtige Erfahrungen in Sachen Live-Auftritte und Studioproduktionen. Bei der Band Gracetown - bekannt von JesusHouse - trat sie nicht nur als Frontsängerin auf, sondern schrieb auch einige deutschsprachige Lieder für die Alben der Gruppe.


Mit „Bring it on“ legt Pamela nun ihr erstes Soloalbum vor. Im folgenden Interview erzählt sie von der Entstehung der Platte und den Hintergründen ihrer Musik. 

 

 

 

Interview mit Pamela Natterer

 

„Bring it on“ ist ein englischsprachiges Singer-Songwriter-Album mit deutlichen Countryeinflüssen: relativ ungewöhnlich für den deutschen christlichen Musikmarkt. Wie kam es dazu?

Die deutsche christliche Musikszene ist musikalisch gesehen leider sehr einseitig. Pop und Rock dominieren den Musikstil und vieles, was wir aus der Kategorie „Lobpreis“ kennen, wäre der Stilistik nach streng genommen in der Schlagerabteilung einzuordnen. Aber das hat mit mir und meinem eigenen Musikgeschmack nicht so viel zu tun. Ich selbst höre viel Singer-Songwriter Musik, viel Country, Blues, Folk und Jazz und fühl mich in dieser Ecke wesentlich wohler als die xte Platte mit dem Stempel „gefühlvoller Deutschpop“ zu machen.

Mit meinem Produzenten Lars Peter hab ich jemanden gefunden, der meine musikalische Sprache versteht und dem ich meine Songs und meine Stimme anvertrauen konnte. Und vor allem jemanden, der bereit war, neue musikalische Wege zu gehen. Er wiederum wusste genau, welche Musiker für dieses Album in Frage kamen und so war die Zeit im Tonbiotop in Heidelberg eine großartige Zeit.


Das heißt, du hast dich auch bewusst dafür entschieden, englische Songs zu schreiben? Woher kam deine Inspiration?

Ich hab mich in der englischen Sprache schon immer sehr wohl gefühlt. Wir hatten amerikanische AuPairs in der Familie, meine Eltern haben mit uns auch englisch gesprochen und als Kind gab es für mich nichts Spannenderes, als Western zu schauen oder Huckleberry Finn zu lesen und mich in irgendwelche Abenteuer hinein zu träumen. Vor zwei Jahren hatte meine Schwester Jasmin die Möglichkeit, beruflich eine Weile nach Chicago zu ziehen und ich hab sie dann natürlich sofort besucht, dort alles in mich aufgesogen und auch Lieder darüber geschrieben.

Chicago ist unglaublich faszinierend und symbolisiert so viel vom amerikanischen Traum. Man begegnet wunderschönen tollen Menschen, Reichtum, großartiger Kunst und Architektur und einem lebendigen kulturellen Leben. Aber Chicago ist auch die Stadt des Blues, der Schwermut, der Klagen. Und überall stößt man auf die dunklen Seiten der Gesellschaft. Armut, Rassentrennung, Verzweiflung, Einsamkeit. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft dort weiter auseinander. Ich bin durch die Straßen gegangen, saß in Cafés und hab die Menschen beobachtet. Mein Song „Chicago“  entstand in einem Café an einem Tag, an dem ich eigentlich die totale Schreibblockade hatte. Dann hab ich einfach aufgeschrieben, was ich sah – die einsame unglaublich dicke Frau vor ihrem Kuchen, der schwarze Obdachlose, der bei minus dreißig Grad vom Manager wieder aus dem warmen Café geschickt wurde, die unglaublich positive Art, in der jeder in seinem Einzelkämpfertum doch irgendwie hofft, dass sich der amerikanische Traum vom großen Glück erfüllt. Und die tiefe Spiritualität der Menschen.

 

Du sprichst von Hoffnung, von Ungerechtigkeit, von Einsamkeit in diesem Song und davon, dass unser Alltag oft so wenig mit unseren Träumen zu tun hat. Kennst du das aus deinem eigenen Leben?

Ich habe sehr lange gebraucht, um meinen Weg als Sängerin zu gehen. Auch wenn ich schon sehr früh angefangen habe, als Sängerin zu arbeiten. Aber ich hab mich lange nicht getraut, mich voll und ganz für die Musik zu entscheiden. Weil meine Eltern sich natürlich einen sicheren Beruf für mich gewünscht hätten und das Musikerdasein sehr unsicher ist. Und weil ich nicht wirklich an mich geglaubt habe. Lange war mein Leben nichts Halbes und nichts Ganzes, ich hatte nicht den Biss, meinen Traum zu leben und viel länger dafür gebraucht als andre. Das war schon immer so. In der Schule hab ich mich sehr schwer getan, den Anforderungen an Struktur und Ordnung zu genügen, hatte Probleme mit Mitschülern, war oft in einer Art Außenseiterolle. Als Reaktion darauf habe ich mehr vor mich hingeträumt, wie ich gern wäre, als dass ich wirklich in der Realität gelebt hätte. Der Song „Train“ ist so ein Mutmachsong für Menschen, die in solchen Situationen sind. Hier ist die Message: „Pack deinen Krempel zusammen, du bist nicht der einzige, dem es so geht. Wir machen uns gemeinsam auf in ein neues Land.“

 

Singer-Songwriter waren ja schon immer eine Art politische Stimme der Gesellschaft, wenigstens aber eine Stimme ihrer Generation. Wie verstehen sich die Singer-Songwriter deiner Generation?

 

Die Popmusik war schon immer ein Sprachrohr der jeweilige Generation. In unserer Zeit gibt es viele Singer-Songwriter, deren Texte und Melodien symbolisch für unsere Gesellschaft sind. Wir sind eine Generation, die vaterlos aufgewachsen ist, deren Familien häufig zerbrochen sind. Die in einer sich ständig wandelnden Welt mit viel zu vielen Möglichkeiten und viel zu wenig Sicherheit lebt. Die alles machen könnte, aber auch alles können muss und ständig scheitert. Wir sind aber auch eine Generation, die hinterfragt. Die nicht mehr blind glaubt. Die sich traut zu zweifeln. Die neue Wege geht. Neue Lebenswege und auch neue Wege auf Gott zu.

 

 

Welche Rolle spielt der Glauben für dich und deine neue Platte?


Mein Glaube an Gott ist der feste Grund auf dem ich stehe. Die Songs meiner Platte sind Ausdruck meiner persönlichen Hoffnung und beschreiben den Einfluss, den der Glaube auf mich und mein Leben hat. Mir war es dabei einfach wichtig, Lieder zu schreiben, die mit allen Aspekten unseres Lebens etwas zu tun haben; mit unserer Gesellschaft, unserer Seele, unseren Beziehungen und allem, was da eben dazugehört: Liebe, Abschiede, Vertrauen, Leidenschaft, Lachen und Weinen.